Charta der Vertriebenen und Flüchtlinge Europas in Triest unterzeichnet.

(PAÖ) In Triest fand vom 29. bis 31. März 2007 der „1. Internationale Kongreß der Vertriebenen und Flüchtlinge in Europa“ statt. Organisiert wurde diese Initiative von der „Unione Degli Istriani“, dem Dachverband der nach 1945 aus Istrien und Dalmatien vertriebenen Italiener.

Anläßlich dieses Kongresses wurde eine Charta der europäischen Vertriebenen und Flüchtlinge mit folgendem Wortlaut feierlich verabschiedet:

Erklärung von Triest

Wir, die vertriebenen, geflüchteten und deportierten Völker und Volksgruppen Europas, fordern alle, insbesondere die für Flucht, Vertreibung und Deportation in Europa verantwortlichen Staaten und Institutionen auf:

1)
das begangene Unrecht im Sinne des internationalen Menschen- und Völkerrechts anzuerkennen, wieder gutzumachen, die dabei begangenen Verbrechen zu verurteilen und die Rückkehr zu ermöglichen,

2)
Grundsätze anzunehmen und Bedingungen zu schaffen, unter denen auf der Grundlage des internationalen Menschen- und Völkerrechts die Rechte und Interessen der vertriebenen, geflüchteten und deportierten Völker und Volksgruppen auf allen Ebenen gewährleistet werden, einschließlich ihrer Rehabilitierung,

3)
die nationale Restitutionsgesetzgebung zu schaffen bzw. dahingehend zu ändern und dem internationalen Standard anzupassen, daß auch die Vertriebenen rechtliche Ansprüche erheben können,

4)
die Verbreitung der historischen Fakten über die Vertreibung, Flucht und Deportation auf allen gesellschaftlichen Ebenen in den EU-Mitgliedstaaten, vor allem bei der europäischen Jugend, zu garantieren,

5)
die Zusammenarbeit mit den Vertriebenen, Flüchtlingen und Deportierten sowie mit ihren Verbänden aufzunehmen,

6)
die Leugnung oder Verharmlosung der Verbrechen, die gegen die Betroffenen begangen wurden bzw. noch werden, zu verurteilen, sowie Verletzungen ihres Ansehens und ihrer Würde entgegenzutreten,

7)
einen Gedenktag seitens der EU zu Ehren und zum Gedenken an die vielen Millionen Vertriebenen, Flüchtlinge und Deportierten einzurichten, die in den letzten 100 Jahren ihrer angestammten Heimat in Europa beraubt wurden. Er soll Mahnung für künftige Generationen sein, damit sich solche Verbrechen nicht mehr wiederholen.

In Übereinstimmung mit diesen Forderungen haben die vertriebenen, geflüchteten und deportierten Völker und Volksgruppen in Europa durch ihre in der Stadt Triest versammelten bevollmächtigten Vertreter am 31. März 2007 diese Erklärung angenommen und rufen alle von Vertreibung, Flucht und Deportation betroffenen Opfer in Europa auf, sich dem Zweck und den gemeinsamen Zielen dieser Erklärung anzuschließen.

Die Triestiner Charta wurde von 30 Vertriebenen- und Flüchtlingsorganisationen aus Österreich, Deutschland, Italien, Estland, Finnland, Armenien, den USA, Großbritannien, Australien und Zypern unterschrieben.