http://www.preussen-chronik.de.
1732 nahm Preußen etwa 20000 Glaubensvertriebene auf.

Seit 1650 muß Ostpreußen unter entsetzlichen Heimsuchungen leiden. 1656 entführen die Tataren 34.000 Menschen in die Sklaverei, weitere 80.000 sterben an Seuchen. 1709 werden 235.806 Menschen, mehr als ein Drittel der Bevölkerung, Opfer der Pest.
Land, Wirtschaft und Leute sind verelendet. Schon 1721 veröffentlicht Friedrich Wilhelm I. ein Einwanderungspatent, das zahlreiche Zuwanderer aus der Pfalz, vom Rhein und vom Main, Holländer, Schweizer, Böhmen und Franzosen ins Land zieht. Die spektakulärste Aktion aber findet 1732 statt. Im Salzburgischen lebende Protestanten sind durch den militanten katholischen Erzbischof Firmian von Salzburg den ärgsten Repressalien ausgesetzt. Schließlich verweist ein Befehl des Herbstes 1731 alle, die nicht katholischen Glaubens sind, des Landes. Das protestantische Europa ist empört, Friedrich Wilhelm I. handelt. Am 2. Februar 1732 erläßt er ein Einwanderungspatent, schickt Kommissare los, die Transport und Reise der Salzburger betreuen. Sie zahlen den Flüchtlingen Zehrgelder, vier Groschen pro Tag für den Mann, drei für die Frau und zwei für jedes Kind. Vom Tag der Antragstellung an sollen die Flüchtlinge als preußische Staatsbürger respektiert werden. So ziehen lange Flüchtlingstrecks unter dem Schutz preußischer Kommissare auf deutschen Straßen nach Berlin. Schon am 30. April 1732 kommen die ersten 843 Salzburger dort an. Ursprünglich ist die Aktion auf etwa 6000 Flüchtlinge angelegt, aber es bewerben sich über 20.000. Den königlichen Räten wird der finanzielle Aufwand bedrohlich, aber der König ist beglückt:
„Gottlob! Was thut Gott dem brandenburgischen Hause für Gnade! Denn dieses gewiß von Gott kommt!“

Die logistisch bis ins Detail geplante Aktion kostet etwa fünf Millionen Groschen. Doch das Geld, meint der König, ist gut angelegt. Denn schließlich werden die Siedler „Plus“ für den Staat machen. Und außerdem schlägt der König mit politischem Druck auch noch 4 Millionen Gulden Entschädigung beim Salzburger Erzbischof heraus. Der König reitet den Salzburgern entgegen und singt mit ihnen gemeinsam das Lied „auf meinen lieben Gott trau ich in aller Not“. Friedrich Wilhelm I. ist tief gerührt von den Erzählungen der Flüchtlinge, Sophie Dorothea bewirtet sie im Berliner Schloß Monbijou. Dann geht es weiter nach Stettin zur Einschiffung nach Königsberg.Die Manufacturisten nach der Neumark, die Ackerleute nach Preußen“, ordnet der König an.

Von den 15.508 Asylanten, die in der Provinz Preußen angesiedelt werden, erhalten fast 12.000 eine Existenzgrundlage auf Kosten des Staates. Ackerland, Bauland, Bauholz, Vieh, Ackergeräte, Saatgut werden gestellt, dazu kommen drei Jahre Abgabenfreiheit, großzügige Kredite, Zuschüsse zu den Baukosten und langfristige Befreiung vom Militärdienst.

In Königsberg kommen in der 2. Hälfte des Jahres 1732 mit 19 Schiffstransporten 10.780 Salzburger an, über Land erreichen 5.533 Emigranten die Stadt. Zur Begrüßung finden Gottesdienste statt, danach bewirten die Königsberger die Ankömmlinge und bringen sie an die ihnen zugewiesenen Siedlungsplätze. In Königsberg bleiben 715 Salzburger, darunter 59 Wollspinner- und -kämmerfamilien, 28 Brettschneider, 8 Schuhmacher, 5 Kornstecher, 3 Tischler, 1 Zimmermann, 2 Flachsbinder, 2 Böttcher, 1 Kupferschmied, 1 Fleischer, 1 Zeichner und ein Schalknecht.

„Muß ich gleich Haus und Hof, Freund und Eltern, Kinder lassen,
So will mich doch der Herr in seine Arme fassen;
Er hält mich väterlich bey seiner rechten Hand,
Und führt mich wohl vergnügt in Friedrich Willhelms Land“

singen die dankbaren Salzburger.

Ein gigantisches Aufbauwerk beginnt. Sechs Städte, 332 neue Dörfer entstehen, 180.000 Morgen wüstes Land werden kultiviert. Als Kronprinz Friedrich im Sommer den Vater auf einer Inspektionsreise nach Ostpreußen begleitet, zeigt er sich stark beeindruckt vom Erfolg der Siedlungspolitik des Königs. Er schreibt begeistert an Voltaire:

„Insterburg, 27. Juli 1739
Endlich sind wir hier angekommen, lieber Freund. Wir waren drei Wochen unterwegs, und zwar in einem Lande, das ich für das Non plus ultra der zivilisierten Welt halte. Es ist eine in Europa wenig bekannte Provinz, die freilich bekannter zu sein verdient, da sie als Schöpfung des Königs, meines Vaters, gelten kann. Preußisch-Litauen ist ein Herzogtum von stark 30 deutschen Meilen in der Länge und 20 in der Breite, obwohl es nach Samogitien hin spitz zuläuft. Die Provinz wurde zu Anfang des Jahrhunderts von der Pest verheert; über 300.000 Einwohner raffte die Seuche und das Elend dahin. Der Hof, der von dem Unglück wenig wußte, unterließ es, der reichen und fruchtbaren Provinz, die an Einwohnern und an jeder Art von Erzeugnissen Überfluß hatte, wieder aufzuhelfen. Die Krankheit raffte das Volk hin; die Felder lagen brach und bedeckten sich mit Gestrüpp. Auch das Vieh ging in dem allgemeinen Elend zugrunde; kurz, unsere blühendste Provinz verwandelte sich in die schrecklichste Einöde.

Inzwischen starb Friedrich I. und wurde mit seiner falschen Größe begraben. Ihm lag nur an eitlem Prunk und an der pomphaften Zurschaustellung nichtiger Zeremonien.
Mein Vater, der ihm nachfolgte, wurde durch das öffentliche Unglück gerührt. Er begab sich selbst an Ort und Stelle und sah die weiten verheerten Länderstrecken nebst all den schrecklichen Spuren, die Seuche, Hungersnot und die schmutzige Habgier der Minister hinterlassen hatten. Zwölf bis fünfzehn entvölkerte Städte, vier- bis fünfhundert unbewohnte und verödete Dörfer boten seinen Augen einen trostlosen Anblick. Er ließ sich dadurch nicht abschrecken, im Gegenteil, er beschloß, das Land, das fast zur Wüstenei geworden war, neu zu besiedeln und Handel und Wandel wieder neu zu beleben.

Seitdem hat der König keine Ausgaben gescheut, um seine heilsamen Absichten zu verwirklichen. Er erließ zunächst weise Reglements, baute alles, was die Pest zerstört hatte, wieder auf und ließ Tausende von Familien aus allen Ecken Europas kommen. Die Äcker wurden wieder bestellt, das Land bevölkerte sich, der Handel blühte wieder auf, und gegenwärtig herrscht in dieser fruchtbaren Gegend mehr Überfluß denn je. Litauen besitzt über eine halbe Million Einwohner. Es zählt mehr Städte und Herden als früher, hat mehr Wohlstand und Fruchtbarkeit als irgend eine Gegend Deutschlands. Und all das ist lediglich dem König zu danken, der die Ausführung persönlich angeordnet und auch selbst geleitet hat. Er hat die Pläne entworfen und sie allein ausgeführt; er hat weder Mühe noch Sorge, noch ungeheure Schätze, noch Versprechungen oder Belohnungen gespart, um einer halben Million denkender Wesen Glück und Leben zu sichern. Ihm allein verdanken sie ihr Wohlergehen und ihre Versorgung.“

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Wer mehr lesen will, sollte doch besser die Preußen-Seite aufsuchen.

Was mich stört an diesem Text? Da fehlen Währungsangaben: Was bedeuten 5 Millionen Groschen, was bedeuten 4 Millionen Gulden??? Kann uns irgendjemand diese Beträge in heutige Kaufkraft umrechnen?

Was mich freut an diesen Nachrichten? Vor allem, daß der Vertreiber – heute würden wir den militanten katholischen Erzbischof Firmian von Salzburg wohl als „Fundamentalisten“ bezeichnen – 4 Millionen Gulden den vertriebenen Menschen nachschicken mußte. Das waren bei 20000 Menschen zwar nur 200 Gulden pro Kopf, aber immerhin wohl doch eine nennenswerte Starthilfe.
Heutzutage gilt ja als salonfähig, wer 3½ Millionen Sudetendeutsche oder 12 Millionen Ostdeutsche entrechtet, ausplündert, ermordet oder aus ihrer Heimat verjagt. Heutzutage werden die Vertreiber nicht zur Kasse gebeten, sondern werden zusätzlich zu dem Raub des Staats- und Privatvermögens und der Liegenschaften der Vertriebenen noch mit Milliardenbeträgen aus deutschen Steuergeldern alimentiert: Steuergelder, die zu etwa einem Fünftel aus der Wirtschaftskraft der Vertriebenen stammen!
ML 2003-04-18

Thomas Rebuschat liefert 2006-10-07 zu diesem Thema noch folgende weiterführende Verweise, die ich aber nicht kenne und für die ich mich nicht verbürgen kann::

SALZBURGER VEREIN e.V. - Vereinigung der Nachkommen salzburgischer Emigranten
Memeler Straße 35, 33605 Bielefeld,
Telefon (05 21) 299 44 04 (di. 11 - 15 Uhr), Fax (05 21) 299 44 05,
E-Post: SalzburgerVerein@compuserve.de; Internet: http://salzburger.homepage.t-online.de;

Präsident: Wolfgang Neumann,
Annemarie-Vogel-Straße 8, 30900 Wedemark,
Telefon (0 51 30) 37 41 21, Fax  (0 51 30) 37 41 22, E-Post: wosa.neum@t-online.de.

Vierteljährlich erscheint die Vereinszeitschrift „Der Salzburger“ mit Familienrundfragen.

Weitere Verweise zu SALZBURGER:
http://www.salzburger.homepage.t-online.de/Fam-name.htm
   (Familiennamen ostpreußischer Salzburger)
http://www.salzburger.homepage.t-online.de/krch-bch.htm
   (Bestände evangelischer Kirchenbücher aus dem Regierungsbezirk Gumbinnen)
http://www.salzburger.homepage.t-online.de/Ortsvz1.htm
   (Ortsverzeichnis des Regierungsbezirks Gumbinnen mit zugeordneten Kirchspielkürzeln)
http://www.wohnstift-salzburg.de/
   (Eigene Seite des „Wohnstifts Salzburg e.V.“, Bielefeld)
http://www.salzburger.homepage.t-online.de/Wohnstif.htm
   (Wohnstift Salzburg e.V.)
http://www.salzburger.homepage.t-online.de/Anstalt.htm
   (Stiftung Salzburger Anstalt Gumbinnen)
http://www.ahnen-conrad.de
   (Salzburger-Familie Lottermoser seit 1200)
http://www.diakonie-gusew.de
   (Diakoniezentrum Haus Salzburg in Gumbinnen – Direktor Alexander Michel)
http://leogang-online.at/bergbau/index.php?option=com_content&task=view&id=56&Itemid=98&lang=de
   (Leogang à Bergbaumuseum à Hoyer-Stube)
http://www.pfaenders.com/
  (Familie Pfänder – Exulanten – vertrieben um ihres Glaubens willen [deutsch + englisch],
    hier werden die Salzburger Emigranten als „Exulanten“ bezeichnet)